UNaRT verbindet Kunst, Kreativität und Therapie: Gruppen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Psychiatrie-Erfahrung in Essen und Umgebung.
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UNaRT ist ein Kunstprojekt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Psychiatrie-Erfahrung. In kleinen Gruppen arbeiten die Teilnehmenden mit Farben, Papier, Ton, Gips, Holz, Stoffen und vielen weiteren Materialien. Dabei steht nicht das perfekte Kunstwerk im Mittelpunkt, sondern der kreative Ausdruck: Gefühle, Erfahrungen und persönliche Themen können sichtbar gemacht und gestalterisch verarbeitet werden. UNaRT verbindet künstlerisches Arbeiten mit therapeutischer Wirkung und schafft einen geschützten Raum, in dem Menschen sich ausprobieren, entwickeln und ihre eigene Ausdrucksform finden können.
(O.-Ton, Mark, 16 Jahre, UNaRT-Künstler)
Die „geile Truppe von Leuten“ sind die Patientinnen und Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie Essen sowie die Künstlerinnen und Künstler, die gemeinsam mit den UNaRT-Teilnehmenden arbeiten.
Bei UNaRT wird mit vielen unterschiedlichen Materialien gestaltet: mit großformatigem Papier, Farben, Ton, Gips, Holz, Stoffen, Schminke, Fundstücken und vielem mehr. Im Mittelpunkt steht das kreative Ausprobieren und der persönliche Ausdruck.
Das Projekt bietet verschiedene Gruppen an. Dazu gehören Gruppen für Erwachsene, zum Beispiel ehemalige Teilnehmende der stationären UNaRT-Gruppen in Heidhausen und Velbert-Niederberg. Außerdem können Erwachsene mit Psychiatrie-Erfahrung und künstlerischem Interesse teilnehmen. Für Kinder gibt es eigene Ambulanzgruppen.
Die Gruppen bestehen in der Regel aus 4 bis 8 Personen. Die Teilnahme kostet 10 Euro pro Abend und ist für mindestens ein Semester vorgesehen.
Das Projekt wird intern durch Prof. Dr. Heinz begleitet. Er ist Philosoph und Psychoanalytiker und verfügt seit 1984 über Projekterfahrung in verschiedenen Kliniken.
UNaRT arbeitet unter anderem mit der Rheinischen Landes- und Hochschulklinik Essen sowie dem Klinikum Niederberg in Velbert zusammen. Darüber hinaus bestehen enge Kooperationen mit verschiedenen Institutionen, zum Beispiel mit dem Kulturamt der Stadt Essen, dem Verein Eucrea e. V. und dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband e. V.
Die Arbeiten aus dem Projekt werden regelmäßig öffentlich gezeigt. Dazu gehören Kataloge, Vorträge, Ausstellungen von UNaRT-Bildern, Objekten und Videos sowie Aktionen der UNaRT-Gruppe im öffentlichen Raum.
Zusätzlich bietet UNaRT Workshops für Firmen und Arbeitsgruppen an.
Jüngere Menschen mit psychischen Erkrankungen stehen im Mittelpunkt unseres Handelns. In unseren Einrichtungen finden personale Begegnungen in Wertschätzung, Vertrauen und Sicherheit statt.
Wir bieten eine gesundheitsfördernde Atmosphäre für Körper, Geist und Seele und schaffen ein Zuhause in Geborgenheit. Unser Umgang ist empathisch, respektvoll und tolerant mit den Betreuten und deren Angehörigen. Die partnerschaftliche Beteiligung der Angehörigen ist dabei obligat.
Wir vermitteln den Betreuten und deren Angehörigen möglichst umfassend Kenntnisse und Fähigkeiten, die für die Bewältigung der Erkrankung notwendig sind.
In Zusammenarbeit mit den jungen Menschen veranlassen und erstellen wir individuelle Behandlungs-, Betreuungs- und Hilfepläne.
Wir initiieren, fördern und erhalten ein in allen Bereichen selbstbestimmtes Leben!
Die „geile Truppe von Leuten“ sind die Patientinnen und Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie Essen sowie die Künstlerinnen und Künstler, die gemeinsam mit den UNaRT-Teilnehmenden arbeiten.
Bei UNaRT wird mit vielen unterschiedlichen Materialien gestaltet: mit großformatigem Papier, Farben, Ton, Gips, Holz, Stoffen, Schminke, Fundstücken und vielem mehr. Im Mittelpunkt steht das kreative Ausprobieren und der persönliche Ausdruck.
Das Projekt bietet verschiedene Gruppen an. Dazu gehören Gruppen für Erwachsene, zum Beispiel ehemalige Teilnehmende der stationären UNaRT-Gruppen in Heidhausen und Velbert-Niederberg. Außerdem können Erwachsene mit Psychiatrie-Erfahrung und künstlerischem Interesse teilnehmen. Für Kinder gibt es eigene Ambulanzgruppen.
Die Gruppen bestehen in der Regel aus 4 bis 8 Personen. Die Teilnahme kostet 10 Euro pro Abend und ist für mindestens ein Semester vorgesehen.
Das Projekt wird intern durch Prof. Dr. Heinz begleitet. Er ist Philosoph und Psychoanalytiker und verfügt seit 1984 über Projekterfahrung in verschiedenen Kliniken.
UNaRT arbeitet unter anderem mit der Rheinischen Landes- und Hochschulklinik Essen sowie dem Klinikum Niederberg in Velbert zusammen. Darüber hinaus bestehen enge Kooperationen mit verschiedenen Institutionen, zum Beispiel mit dem Kulturamt der Stadt Essen, dem Verein Eucrea e. V. und dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband e. V.
Die Arbeiten aus dem Projekt werden regelmäßig öffentlich gezeigt. Dazu gehören Kataloge, Vorträge, Ausstellungen von UNaRT-Bildern, Objekten und Videos sowie Aktionen der UNaRT-Gruppe im öffentlichen Raum.
Zusätzlich bietet UNaRT Workshops für Firmen und Arbeitsgruppen an.
Verfasst von Prof. Dr. med. Christian Egger, Essen 1995
Hat Kunst überhaupt etwas in der Klinik zu suchen? Was verbindet die moderne Kunst mit der psychotherapeutischen Arbeit bei Kindern und Jugendlichen? Es ist, so meine ich.
Das Benennen: das Sichtbarmachen von individuellen und gesellschaftlichen Konflikten und Problemen, so geht es in der modernen Kunst u. a. auch um das Sichtbarmachen des Konflikts zwischen individuellem Streben nach immer mehr Wohlstand und „Vergnügen“ und dem damit verbundenen Raubbau an den natürlichen Ressourcen der Welt, in der wir leben.
In dieser Therapie geht es auch um das Benennen, um die Benennung der Gefühle von Einsamkeit, Trauer, Verzweiflung, Wut, und vor allem der Beschämung und Schuld, Gefühle, die unbewusst wirksam sind und das Kind oder den Jugendlichen an der Entfaltung seines lebendigen Lebens behindern, ihn vielmehr gefangenhalten in einem Gefängnis von widersprüchlichen, verwirrenden und lähmenden Gefühlen.
Kinder und Jugendliche, die zu uns kommen, weil in ihrer bisherigen Entwicklung nicht alles so gut gelaufen ist, wie es für ein gesundes seelisches Gleichgewicht und psychosomatisches Wohlbefinden notwendig gewesen wäre, sind im Grunde zutiefst verzweifelt. Diese Verzweiflung verbergen sie häufig hinter ihren Symptomen, die dadurch zu einer Art „Maske“ werden.
Maskendarstellungen sind nicht selten in den künstlerischen Produktionen von Kindern und Jugendlichen, die an dem Kunstprojekt UNaRT teilnehmen. Bei vielen von ihnen nimmt das Herstellen von Masken und das Sich-Schminken einen breiten Raum ein (vgl. hierzu Schwer 1991).
Das Sich-Maskieren und Schminken dient nicht nur als Schutz und Abwehr gegenüber Ängsten, Schuld und Scham, sondern symbolisiert auch das Schicksal des Nicht-Gesehenwerdens, des Nicht-Gehörtwerdens, des Nicht-Dazugehörens.
Das Schicksal des Nicht-Wahrgenommen-Werdens hängt in aller Regel mit dem Schicksal ihrer Eltern zusammen, das dem ihren gleicht, nämlich der Erfahrung, dass die Eltern selbst als Kinder von ihren eigenen Eltern nicht in ihrem eigentlichen Wesen wahrgenommen worden sind.
Statt dessen dienten sie selbst als Projektionsorte unerfüllt gebliebener Hoffnungen, Wünsche, und Strebungen ihrer Eltern, die eben, weil sie unerfüllbar waren und unerfüllt geblieben sind, in der Hoffnung auf ihre Kinder projiziert worden sind, dass Erlösung durch diese Kinder für sie, die Eltern, erfolgen möge, Erlösung, die auf diese Weise nicht eintreten kann.
Eltern der Kinder und Jugendlichen, die zu uns kommen, waren selbst einmal gedemütigte, nicht wahrgenommene, geängstigte und verzweifelte Kinder. Sie erhofften sich, aus dem Zirkel von Unverstandensein und Nicht-Wahrgenommen-Werden durch ihre Kinder herauszufinden.
Kinder wiederum sind von einer Feinfühligkeit und Empfindsamkeit wie später nie wieder! Sie nehmen bereitwillig die Funktion des Trösters ein, trösten den in ihren Augen schwächeren und bedürftigeren Elternteil und verbünden sich mit ihm.
In Zeiten stärkerer Krisen kann es zu regelrechten Koalitionen zwischen einem Elternteil und dem Kind kommen. Solche Kinder sind in dieser Rolle des Trösters, des Alliierten, des Verbündeten überfordert. Diese Kinder drücken in der Regel ihr Überfordertsein in einem Symptom aus, Symptomen wie Bettnässen, Einkoten, Nägelkauen oder aber schweren Aggressionen gegen sich und gegen andere bis hin zu suizidalen Handlungen, oder in Form eines Waschzwanges, einer extremen Essunlust bis zur schweren Magersucht oder im Gegenteil des wahllosen Insichhineinfressens bis zur Fettsucht, oder auch in psychotischen Symptomen mit schizophrenen Denk- und Wahrnehmungsstörungen.
Auf einem internationalen kleinen Spezialistensymposion über schizoaffektive Psychosen vor einigen Jahren klagte ein britischer Wissenschaftler sehr darüber, wie unglücklich er sei, dass die schizoaffektiven Psychosen, also die Gemütszustände, die sowohl manische, depressive als auch schizophrene Elemente enthalten, so schwer zu klassifizieren und einzuordnen seien.
Ich hielt dagegen und sagte, dass mich dies im Gegenteil sehr glücklich mache, sei doch gerade dies ein Zeichen für die Komplexität und Tiefgründigkeit der menschlichen Seele. Man kann ein Wort von Jean-Christophe Ammann variieren: „Die Unübersichtlichkeit ist kein Argument gegen die Kunst. Vielmehr eines, das für sie spricht“.
Und genau das lässt sich auch auf die menschliche Seele übertragen und auf die Seelenkunde, die mehr sein sollte, als klassifikatorische Technik, die sicher nützlich ist, aber eben auch in Gefahr ist, dazu zu verkommen, dass man eine trübe Suppe von einem Gefäß in ein anderes schüttet.
Jean-Christophe Ammann fordert Geduld und Aufmerksamkeit, „auch unter schwierigen Bedingungen“. Er versteht dabei Kunst „als eine visuelle Forschung, was sie stets war: emphatisch und analytisch, emotional und reflektiert“.
Damit hat er treffend das Wesen künstlerischen Tuns beschrieben, und man kann dies auf psychotherapeutisches Forschen und Handeln übertragen. Auch im psychotherapeutischen Prozess dehnt sich „die Gegenwart in die Zukunft“ aus, und die Zukunft macht sich „diffus und beunruhigend in der Gegenwart breit“, auch dies sind Worte von Jean-Christophe Ammann in einem Aufsatz über „Die Chancen zeitgenössischer Kunst“, erschienen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ im Juli 1993.
In der Kunst spiegelt sich etwas vom eigentlichen Wesen des Menschen wider, hier entdeckt er sich, hier tritt er in eine gemütshafte Beziehung zu sich selbst. Der Mensch drückt sich im künstlerischen Gestalten aus, aber er erkennt sich auch im Kunstwerk wieder. Dieses Doppelverhältnis des Menschen zur Kunst gehört somit zum Wesen der Kunst.
Auch der sog. psychisch Kranke, das Kind, der Jugendliche, dessen gefühlshafte und lebendige Entwicklung durch widrige Umstände beeinträchtigt ist, weshalb er unsere Hilfe in Anspruch nimmt, begegnet im künstlerischen Gestalten seinem eigenen Wesen.
Das Sich-Ausdrücken im Bildhaften ist auch für ihn die Möglichkeil, einen Zugang zu gewinnen zu seinen sonst verborgenen Konflikten, Ängsten und Problemen. In der originalen Leistung des bildnerischen Gestaltens spiegeln sich dann auch verborgene Ich-Kräfte wider, die durch den kreativen Prozess des Malens und Gestaltens zum Vorschein kommen und wachsen können.
Im bildnerischen oder modellierenden Gestalten kann sich das wahre, lebendige Selbst, der tiefe, gemüthafte Kern des Kranken entwickeln. Und eben darum geht es bei uns in unserer täglichen Arbeit mit unseren Kindern und Jugendlichen in der Klinik. Wir begeben uns in ein gemeinsames Abenteuer, dessen Ende offen ist, und bei dem sich in der Tat Gegenwart in die Zukunft ausdehnt und letztere wieder beunruhigend in die Gegenwart hineindrängt.
Der große englische Kinderarzt und Psychotherapeut Donald W. Winnicott hat die Bedeutung künstlerischen Tuns für die seelische Entwicklung des Kindes und Jugendlichen treffend in folgendem Zitat beschrieben:
„Durch den künstlerischen Ausdruck können wir hoffen, in Berührung mit unseren primitiven Selbstanteilen zu bleiben, von denen sich die heftigsten Gefühlsregungen und schrecklichen akuten Empfindungen herleiten, und wir sind in der Tat arm, wenn wir nur gesund sind“.
Verfasst von Prof. Dr. med. Christian Egger, Essen 1993
UNaRT, das weckt Assoziationen. Beim Kind muss es ja etwas mit un-artig zu tun haben. Was bedeutet es, unartig zu sein? Es hat etwas mit der Entdeckung des eigenen Willens zu tun.
Das ist gleichzusetzen mit der Entdeckung des eigenen, wahren, lebendigen Wesens, welches dieses Selbst repräsentiert, Authentizität, Eigenständigkeit, Individualität und Autonomie. Es macht das eigentliche Wesen des Menschen aus.
In der Kunst spiegelt sich etwas vom eigentlichen Wesen des Menschen wider, hier entdeckt er sich, hier tritt er in eine gemütshafte Beziehung zu sich selbst. Der Mensch drückt sich im künstlerischen Gestalten aus, aber er erkennt sich auch im Kunstwerk wieder. Dieses Doppel-Verhältnis des Menschen zur Kunst gehört somit zum Wesen der Kunst.
In der Kunst entdeckt der gestaltende Mensch ebenso wie der betrachtende Mensch sein eigenes Wesen. Sein Wesen entdecken, d. h. letztlich, der Mensch setzt sich als ein sich aus-setzendes Wesen der Wahrheit aus. Heidegger würde sagen: Der Wahrheit des Seins.
Von Sigmund Freud stammt der Satz, dass Kunst nichts anderes sei als gescheiterte soziale Anpassung. In der Tat, der angepasste Mensch verfügt im Grunde nur über eine Leih-Identität, für die äußere Normen das Gerippe darstellen, er ist also nur ein „Pseudo-Selbst“.
Er mag zwar artig sein, vermag aber nicht aus sich selbst heraus zu existieren. Kunst wird von ihm nicht selten als fremd und unverständlich empfunden. Denn Kunst ist, so hat es Hegel gesehen, ein Phänomen des menschlichen Daseins, das vom objektiv erkennenden Geist überwunden werden muss, damit die Idee in der „unendlichen Freiheit des begreifenden Denkens“ rein aufleuchten kann.
Hier besteht also eine wesentliche Übereinstimmung im Denken von Friedrich Wilhelm Hegel und Sigmund Freud sowie von D. W. Winnicott, wie aus dem umseitigen Zitat ersichtlich ist.
Auch der so genannte psychisch Kranke, das Kind, der Jugendliche, dessen gefühlshafte und lebendige Entwicklung durch widrige Umstände beeinträchtigt ist, weshalb er unsere Hilfe in Anspruch nimmt, begegnet im künstlerischen Gestalten seinem eigenen Wesen.
Das Sich-Ausdrücken im Bildhaften ist auch für ihn die Möglichkeit, einen Zugang zu gewinnen zu seinen sonst verborgenen Konflikten, Ängsten und Problemen. In der originalen Leistung des bildnerischen Gestaltens spiegeln sich dann auch verborgene Ich-Kräfte wider, die durch den kreativen Prozess des Malens und Gestaltens zum Vorschein kommen und wachsen können.
Im bildnerischen oder modellierenden Gestalten kann sich das wahre, lebendige Selbst, der tiefe, gemüthafte Kern des Kranken entwickeln. Die verschiedenen seelischen Krankheitssymptome sind letztlich Ausdruck einer gestörten Entwicklung in der Kindheit des Patienten, der als Kind in seinem eigentlichen Sein von seiner engsten Umgebung, häufig von den Eltern, nicht wahrgenommen werden konnte, teilweise sogar entwertet und verneint wurde, ein teufelskreisartiger Prozess, der damit zusammenhängt, dass die Eltern wiederum von ihren eigenen Eltern in ihrem eigentlichen Wesen nicht haben wahrgenommen werden können.
Eben weil es um seelische Entwicklung geht, sprechen wir nicht von „psychischer Krankheit“, sondern vielmehr von Entwicklungsstörungen. Wir meinen mit Winnicott, dass seelische Gesundheit eine Frage der Reife, nicht aber eine Frage des Freiseins von Symptomen ist.
Bei allem psychischen Erkrankungen geht es letztlich um eine gestörte seelische Entwicklung des betroffenen Individuums, dem im therapeutischen Prozess dazu verhelfen werden muss, fehlende Entwicklungsschritte nachzuholen und sich zu einer lebendigen, autonomen Persönlichkeit hin zu entwickeln bzw. ihm, was dasselbe ist, die Entfaltung seines wahren lebendigen Selbst zu ermöglichen.
Es geht also nicht um das Kurieren von Krankheitssymptomen, sondern um den Anstoß schöpferischer Prozesse – insofern muss der traditionelle Krankheitsbegriff im Bereich der Psychiatrie neu reflektiert werden. Indem ich den Patienten zum „Objekt“ einer Behandlung mache, ohne wirklich mit ihm in eine persönliche, sich den Problemen und Konflikten des Patienten gemeinsam aussetzende Beziehung zu kommen, reduziere ich ihn.
Diese Reduzierung kann soweit gehen, dass der Patient dann als „defekt oder sonstwie abnorm“ gekennzeichnet wird. Damit tritt aber eben gerade die gleiche Entwertung ein, die der Patient schon von jeher erfahren hat, und es bleibt ihm auch nichts anderes übrig, als sich gemäß dem Prinzip der „self-fullfilling prophecy“ entsprechend den Erwartungen und Zuschreibungen seiner Umgebung zu verhalten, was jeden Entwickungsprozeß verunmöglicht.
Ganz im Gegenteil geht es bei dem gemeinsamen, kreativen, unprogrammierten Gestalten, Malen, Modellieren mit den Patienten um die gemeinsame Entwicklung aller Beteiligten, so wie es in einer guten Therapie immer auch nur um die gemeinsame Entwicklung von Therapeut und Patient geht.
Das eine ist vom anderen abhängig, die Entwicklung des Patienten ist nur soweit möglich, als sich auch der Therapeut in der Beziehung entwickeln kann.
In dieser Beziehung kommt es darauf an, dass dem Patienten auch gestattet wird, auf je seine eigene Weise „verrückt“ zu sein, eine „Verrücktheit“, die man sonst nur Kleinkindern zugesteht.
Diese Phase ist eine wichtige Entwicklungsphase im Übergang vom magisch-animistischen Welterleben des Kleinkindes zur rational-kritischen Reflexionsfähigkeit des älteren Schulkindes, des Jugendlichen und schließlich des Erwachsenen.
Im gemeinsamen künstlerischen Tun mit unseren Patienten, so wie wir es verstehen, kann eine „genügend gute Umwelt“ (Winnicott) geschaffen werden, die es dem Patienten gestattet, seine in der Kindheit unausgelebte „Verrücktheit“ nachzuholen und an ihr zu reifen.
Nur indem sich im gemeinsamen kreativen Art Subjekt mit Subjekt begegnen, ist Reifung im Sinne einer Entwicklung des wahren, lebendigen Selbst möglich. So entsteht das Paradoxon, dass ein Geschehen, das primär und ursprünglich eben keine Therapie, also auch keine Kunsttherapie sein soll, in ganz besonderem Maße therapeutisch wirksam ist.
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